Klartext aus 30 Jahren Praxis:


In diesem Blog teile ich Geschichten, Entscheidungen und Erfahrungen aus drei Jahrzehnten Projektmanagement – aus der Industrie, der Luftfahrt, dem Alltag.

Was hier steht, ist erlebt. Nicht geschönt.
Kein PR-Geschwätz, keine Worthülsen – sondern echte Einblicke, klare Meinungen und Lehren, die bleiben.

Für alle, die verstehen wollen, wie Dinge wirklich laufen – und was man daraus machen kann.


9 Antworten zu „Blogbereich“

  1. Avatar von Steffen Queck

    ✈️ ANÜ, DMU, FAL – und mittendrin

    Jahr: 2011
    Projekt: A330/A340 – elektrische Systeme
    Rolle: ANÜ im Design Office, später Taskforce-Einsätze in der FAL Toulouse

    Mein Einstieg lief über eine ANÜ – sachlich, wie man’s kennt.
    Das Gespräch mit dem Teamleiter der Airbus-Abteilung war kurz, aber richtungsweisend:

    „Unsere besten Leute sind regelmäßig in Toulouse – in der Final Assembly Line. Eine Woche im Monat. Da lösen wir, was auf dem Papier nicht lösbar wirkt.“

    Ich nickte. Kein großes Statement. Nur intern ein Haken dran.
    Was keiner wusste: Ich hatte zwei Jahre zuvor in Toulouse gearbeitet – als Senior Designer und Zonenverantwortlicher.
    Ich kannte die FAL. Ich kannte die Wege, die Sprache, die Abläufe. Und vor allem: die Realität hinter der Doku.

    Drei Monate später war ich vor Ort.
    Nicht am Band. Nicht im Konferenzraum.
    Sondern mittendrin in der Final Assembly Line – da, wo Systeme auf Struktur treffen, wo Zeichnung auf Kabelsatz stößt.

    Wir arbeiteten im Monatsrhythmus.
    Immer eine Woche Taskforce – ein Fall, eine Baustelle, ein Ziel: flugtauglich lösen.
    Ich analysierte direkt vor Ort, sprach mit Einbauverantwortlichen, dokumentierte Ursachen und lieferte konkrete Rückmeldungen ins Design Office zurück.

    „Steffen kennt die FAL besser als unsere Dokumentation.“
    – Aussage eines Fertigungskoordinators nach einem geräuschlosen Umbau

    Ich habe gelernt:
    Im Büro wird entworfen – aber in der FAL wird entschieden, ob es funktioniert.


  2. Avatar von Steffen Queck

    🚗 300 Lieferanten – 1 Leitung zu viel

    Jahr: 2015–2017
    Projekt: Mercedes-Benz C-Klasse (BR205)
    Rolle: Design Office – elektrische Systeminstallation

    Wer denkt, eine C-Klasse entsteht durch Präzision, hat recht – aber erst ganz am Ende.
    Davor regiert die Realität: 300 Lieferanten, 3D-Modelle im Dauerkonflikt und eine elektrische Leitungsverlegung, bei der selbst die Software manchmal die Hände hebt.

    In der Hochphase des Projekts war ich verantwortlich für die Integration der elektrischen Systeme.
    Und das bedeutete konkret: täglich neue Änderungswünsche, Konflikte mit mechanischen Bauteilen, Lieferantenschnittstellen, die theoretisch existierten – und praktisch nie geliefert wurden.

    Der Tag, der mir in Erinnerung blieb, war der, an dem sich zwei Leitungssätze in der B-Säule physisch gegenseitig blockierten – auf dem Papier beide freigegeben, in der Realität beide falsch.
    Ich stoppte die Freigabe, koordinierte einen Sofortabgleich zwischen den beteiligten Teams (elektrisch, mechanisch, Crash), und wir schafften innerhalb von 36 Stunden eine neue Führungslage – geprüft, freigegeben, SOP-fähig.

    „Wenn du’s so machst, dann wird das Auto vielleicht nicht früher fertig – aber es wird nicht zurückgerufen.“
    – Kommentar eines Bauraumplaners

    Was ich gelernt habe:
    Am Ende zählt nicht, wer schneller war – sondern wer’s richtig gemacht hat.


  3. Avatar von Steffen Queck

    💧 Wasser marsch – wenn Bürger den Hahn aufdrehen

    Jahr: ca. 2022
    Thema: Kommunale Infrastruktur / Bürgerinitiative
    Rolle: Mitinitiator & Sprecher

    Man sagt, ohne Druck läuft in Projekten nichts.
    In unserem Ort war das wörtlich gemeint – der Wasserdruck reichte in manchen Haushalten nicht einmal für die Dusche.
    Die Beschwerden liefen ins Leere, die Verwaltung schob sich gegenseitig die Verantwortung zu.

    Gemeinsam mit anderen Bürgern habe ich eine Initiative gegründet.
    Wir haben Messprotokolle gesammelt, technische Unterlagen analysiert, Druckverläufe nachvollzogen und Gespräche geführt – immer mit Fakten, nie mit Parolen.

    Die Presse? Nur drei Berichte – und die eher zurückhaltend.
    Das Fernsehen? Kein Interesse.
    Aber: Die Gemeinde konnte uns nicht mehr ignorieren.

    Nach wochenlangem Nachfassen, öffentlichen Veranstaltungen und klarem Auftritt in der Bürgerversammlung kam Bewegung in die Sache.
    Der zuständige Wasserversorger musste handeln – und tat es.

    „Was Sie hier machen, ist sachlich, beharrlich – und nötig.“
    – Aussage eines Mitarbeiters der Verwaltung hinter vorgehaltener Hand

    Was ich gelernt habe:
    Öffentlicher Druck entsteht nicht durch Schlagzeilen, sondern durch Standhaftigkeit.


  4. Avatar von Steffen Queck

    🚘 Einer reicht – wenn er bleibt
    Zeitraum: 2018–2025
    Projekt: Klimaleitungen für VW (1st Tier)
    Rolle: CIM-Verantwortlicher Deutschland

    Als ich 2018 bei einem 1st-Tier-Zulieferer für Kältemittelleitungen einstieg, war die Lage bereits eskaliert:

    Kritischer Serienlieferant – Eskalationsstufe 3 bei Volkswagen
    Keine Neuaufträge mehr
    Qualität außer Kontrolle
    Vertrauen bei Null

    Ich war neu im Unternehmen – vier Wochen Einarbeitung in Tychy, Polen.
    Dann zurück nach Deutschland: alleiniger Ansprechpartner für VW. Kein Team, keine Struktur, keine Ansprechpartner vor Ort.

    „Wenn es nach mir ginge, würde ich alle Aufträge mit dieser Firma sofort stoppen.“
    – QS-Beauftragter Volkswagen, 2018

    📉 Die Ausgangslage

    Qualitätsmängel in allen VW-Werken
    Keine Regelkommunikation
    Sortierkosten in Millionenhöhe
    KPI (ppm): weit jenseits der Grenzwerte
    Vertrauen aufgebraucht – intern wie extern

    „Keiner von euch lässt sich hier je blicken.“
    – Werkmitarbeiter, Emden

    🔧 Der Wendepunkt – ab 2021
    Ich war vor Ort. Nicht auf Distanz, sondern mittendrin. Ich habe zugehört, dokumentiert, geliefert.

    Wöchentliche Regelkommunikation mit allen VW-Werken eingeführt
    Open-Points-Listen mit klarer Verantwortlichkeit etabliert
    Probleme im Werk aufgenommen und systematisch eskaliert
    8D-Reports auf belastbare Qualität gebracht
    Aktionspläne erstellt und nachverfolgt – von Sofortmaßnahme bis Wirksamkeitsprüfung

    ✅ Meilensteine

    08/2021: Erstes VW-Werk erreicht 0 ppm
    Weitere Werke folgten
    Wahrnehmung drehte sich: aus Skepsis wurde Respekt

    „Seit Sie das übernommen haben, haben wir zum ersten Mal das Gefühl, dass einer zuhört – und handelt.“
    – QS-Koordinator Volkswagen

    🏁 Abschluss – Februar 2022

    Nach einem finalen Gespräch mit VW-QS wurde die Eskalation beendet:

    Entlassung aus dem Status „Kritischer Serienlieferant“
    Vertrauensbasis wiederhergestellt
    Partnerschaft bis Juli 2025 verlängert – trotz MEB-Neuanläufen

    Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben.
    Stolz auf die Zusammenarbeit mit dem Werksteam in Polen.
    Und ja, stolz auf meine eigene Beharrlichkeit.

    🔚 Persönlicher Schlussstrich

    Nach fast acht Jahren endete mein Vertrag im Juli 2025 – ohne Verlängerung.
    Ein Führungswechsel, ein Kurswechsel – kein Platz mehr für das, was aufgebaut wurde.

    Ich bin enttäuscht. Nicht wegen mir – sondern wegen der Haltung.
    Aber ich bin auch bereit: für eine neue Herausforderung.
    Eine, in der Substanz wieder zählt.

    Meine Lehre:
    Verantwortung entsteht nicht durch Titel – sondern dadurch, dass man bleibt, wenn’s brennt.

  5. Avatar von Steffen Queck
    Steffen Queck

    💬 Wenn zwei Stunden wie zehn Minuten wirken
    Datum: 06.08.2025
    Ort: Bremen
    Position: Projektleiter – Großraum Bremen

    Manche Vorstellungsgespräche fühlen sich an wie ein Kreuzverhör. Dieses in Bremen nicht. Schon nach den ersten Minuten war klar: Das wird anders.

    Der Empfang war herzlich, kein Blick auf die Uhr, kein angespannter Smalltalk. Stattdessen stiegen wir sofort ein – in Themen, die zählen: Projekte, Verantwortung, Zusammenarbeit. Es war kein Abklopfen von Schlagworten, sondern ein echtes Gespräch. Eines, in dem beide Seiten zuhörten.

    Es gab keine dieser typischen Fragen wie „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ oder „Was sind Ihre Schwächen?“. Kein Abspulen des Lebenslaufs. Eher so, als würden wir an einem Tisch sitzen, den wir beide schon seit Jahren kennen, und über ein neues gemeinsames Vorhaben sprechen.

    Fast zwei Stunden dauerte das Gespräch. Die Zeit? Verflogen. Es war, als hätte man sich mit einem alten Bekannten getroffen – nur dass wir uns vorher noch nie begegnet waren.

    Jetzt bin ich gespannt, wie es weitergeht. Falls der Prozess fortgesetzt wird, steht nächste Woche das zweite Treffen an – in einem Hotel in Stade, gemeinsam mit dem Niederlassungsleiter und dem Geschäftsführer. Ziel: die Position als Projektleiter im Großraum Bremen.

    Wenn ein Gespräch sich wie der erste Projekttag anfühlt, hat man schon viel erreicht.

  6. Avatar von Steffen Queck
    Steffen Queck

    Zwischen Werkbank und Vorstandsetage – warum Projekte Stabilität brauchen

    In über 20 Jahren als Projekt- und Qualitätsmanager habe ich eines gelernt: Kein Projekt läuft genau so, wie es im Plan steht.
    Ob in der Automobilindustrie, der Luftfahrt oder im Bauwesen – es gibt immer Momente, in denen Lieferketten wackeln, Schnittstellen reißen oder Prozesse ins Stocken geraten.

    Genau dann entscheidet sich, ob ein Projekt scheitert – oder wieder in die Spur gebracht wird.

    Meine Rolle: Stabilisator und Brückenbauer

    Ich sehe meine Aufgabe nicht nur darin, Projekte zu verwalten. Mein Anspruch ist es, Projekte aktiv zu stabilisieren und erfolgreich zum Ziel zu führen.

    Dabei stütze ich mich auf zwei Säulen:

    Projekt- und Qualitätsmanagement – mit klarer Struktur, sauberen Prozessen, KPIs und bewährten Methoden (IPMA®, Scrum, APQP, VDA, 8D).

    Konstruktionserfahrung – aus Jahren in der Luftfahrt- und Automotive-Entwicklung. Ich kenne die technische Tiefe und spreche die Sprache der Entwickler genauso wie die des Managements.

    Diese Kombination ermöglicht mir, Probleme früh zu erkennen, Schnittstellen zu überbrücken und Lösungen nachhaltig zu verankern.

    Fünf Lösungsansätze, die funktionieren

    🔧 Über die Jahre haben sich fünf Lösungsansätze für mich als besonders wirksam erwiesen:
    1️⃣ Struktur schaffen → klare Projektpläne, sauberes Änderungsmanagement, transparente KPIs
    2️⃣ Schnittstellen managen → Kommunikation moderieren, Konflikte lösen
    3️⃣ Qualität sichern → Audits, 8D-Reports, nachhaltige Verbesserungen
    4️⃣ Teams befähigen → Wissenstransfer organisieren, Vertrauen schaffen
    5️⃣ Krisen stabilisieren → Eskalationen herunterfahren, beim Kunden vor Ort Lösungen finden

    Diese Methoden habe ich in zahlreichen Projekten erfolgreich angewendet – vom Recovery-Projekt des Airbus A380 in Toulouse bis hin zur Rückführung eines VW-Zulieferers aus Eskalationsstufe 3 zurück in die Serienfähigkeit.

    Mehr als Beruf – Haltung und Motivation

    Was mich motiviert, ist nicht nur das Ergebnis. Es ist der Moment, in dem ein Projekt, das alle schon abgeschrieben haben, wieder stabil läuft.

    Meine Hobbys spiegeln diese Haltung wider:

    📸 Fotografie – genau hinschauen, den richtigen Moment festhalten

    🚴 Radfahren – Ausdauer, Beständigkeit, Durchhaltevermögen

    🌍 Städtereisen in europäische Metropolen – neugierig bleiben, offen für Neues

    🏓 Pickleball – Taktik, Dynamik und Teamplay

    Auch meine Bereitschaft zu Dienstreisen ist Teil dieser Haltung: Projekte entscheidet man oft nicht am Schreibtisch, sondern vor Ort – im Gespräch mit Kunden, in der Fertigung, im direkten Kontakt mit Teams.

    Mein Fazit

    Ich bin Projekt- und Qualitätsmanager, erfahrener Konstrukteur, Stabilisator und Brückenbauer.
    Ich sorge dafür, dass Projekte nicht nur starten – sondern auch dauerhaft erfolgreich abgeschlossen werden.

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